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Ein fantastisches Abenteuer


Man kann sagen, dass der Werbetexter Alfred Krötenmaul schon einiges in seinem Leben erlebt hatte, aber das, was sich nun ereignete, war wahrlich unfassbar.

Gerade noch hatte er die weißen, dünnen Katzenhaare von der Couch gesaugt, als Schwupps, KlickKlack, seine Autoschlüssel der unglaublichen Saugkraft seines DysonDC29 erlagen und im eisernen Schlund des röhrenden Wunderapparates verschwanden.


Verdutzt entwich ihm nur ein „Hoppala“ und da die Neugier schon immer eines seiner größten Laster war, konnte er es nicht lassen, und hätte er´s doch nur getan, sich schielenden Auges und sich auf die Unterlippe beißend zu vergewissern, ob er den Weg, den seine Schlüssel da – sagen wir mal - gegangen wurden, nicht ohne großes Pipapo nachvollziehen könnte.


Als er sich also der Bodendüse näherte, mit dem Zinken voran, riss es ihm plötzlich ungeheuerlich hinter den Ohren. Er ruderte mit den Armen, konnte sich jedoch nicht halten. Seine Füße verloren den Boden, er begann zu rotieren und als er dann noch seine Stirn sich verformen fühlen musste, wurde es ihm schwarz vor Augen.


Und wem man diese Geschichte erzählen würde, der sagen würde, es könne nicht seltsamer werden, den würde Alfred nun eines Besseren belehren.


Er erwachte vom heftigen Hämmern im Kopf und seinem Magen war, als hätte man ihn als Yoyo zweckentfremdet. Vorsichtig öffnete er ein Auge und nachdem sich der schummrige Schleier davor gelegt hatte, konnte er seine Umgebung erkennen; nicht, dass ihm das geholfen hätte, denn was er da sah, ließ sich nicht so recht ausmachen.

Er schien in einer Art riesigen Spalte zu liegen, der Boden und die Wände waren glatt und leicht transparent und über ihm erstreckte sich, hinter einem Gitterkorb, eine gigantische, jedoch scheinbar abgeschaltete Maschinerie.


Vom Versuch, sich aufzurichten, hatte er sich nicht allzu viel versprochen, doch ging es ihm erstaunlich gut – das verhinderte zwar nicht, dass er sogleich mit der Hand, mit der er sich ab zu stützen versuchte, auf dem glatten Untergrund den Halt verlor und postwendend mit dem Rücken zurück auf eben diesen schlug – der zweite oder vielleicht auch dritte Anlauf gelang jedoch, er konnte sich aufsetzen und.

Kein und, was tut man denn, wenn einem so etwas widerfährt?

Alfred jedenfalls, der tat eine ganze lange Weile erst Mal nichts.

Und erst, als er merkte, dass von Nichts auch Nichts kommt, das hatte ihm seine Mutter schon eingetrichtert, als er noch ein kleiner Junge war, begann er damit, darüber nachzudenken, was man denn tun könnte.


Entweder war es Glück oder Alfred hatte doch ein gutes Gespür für diese Situation gehabt, wir werden es wohl nie erfahren. Er kratzte sich also am Kopf, sah sich noch ein Mal um und rief dann, nicht ohne Selbstzweifel in der Stimme, in die Stille:

"Ähhhhhhhm... Hallo?"

"Hallo Alfred!", tönte es im schönsten Denglisch zurück.

Warum er vor Überraschung fast nochmals im Sitzen ausgerutscht wäre, muss wohl nicht erläutert werden.

"Willkommen in deinem DysonDC29, dem Staubsauger mit der patentierten Dyson Root Cyclone Technologie für konstante Saugkraft!", dröhnte es von irgendwo.

Verwirrt blickte sich unser Held um; tatsächlich, das hätte gut und gerne ein Staubsauger sein können. Nicht, dass er jetzt weniger verwirrt gewesen wäre, aber das erklärte zumindest Einiges.

"Wo... woher wissen Sie, wie ich heiße?"

Er erntete einen Lacher.

"Well, dies hier ist doch der DysonDC29 von einem gewissen Alfred Krötenmaul, oder irre ich mich?"

"Ja... ja, da... da... das ist ri... richtig!" Fünf Jahre intensives Anti-Stotter-Training beim Logopäden waren dahin.

"So, na sehen Sie. Und in ihrem Profil steht, sie seien ledig, gingen selten aus und arbeiteten sehr viel. Jeden Freitag Abend essen Sie eine Tiefkühlpizza und schauen alte "Mord ist ihr Hobby"-Staffeln und sie sammeln leidenschaftlich Action-Figuren. Merken Sie, worauf ich hinaus will?"

"Ähm... Nein? Und überhaupt, welches Profil?"

"Oh... ich meine... whatever! Vergessen Sie es! Der Punkt, auf den ich hinaus möchte, ist folgender: Sie haben keine Freundin, richtig?"

"Ja, das ist richtig, aber das ist auch nicht so einfach, weil..."

Die Stimme unterbrach ihn hektisch und Alfred wurde ein wenig beleidigt.

"Das reicht mir schon, keine Mühe! Und sie haben auch nicht allzu oft Besuch von Freunden, weil sie sowieso nicht viele Freunde haben, auch richtig?"

"Also langsam reicht es mir aber, was soll das denn?!"

"Richtig?"

"Jaaa, richtig."

"Wer außer Ihnen hätte also Ihren Staubsauger verwenden sollen?"

Irgendwie hatte Alfred hier den Faden verloren. Aber es war ja auch ein bisschen viel auf ein Mal.

"Ja... Und?"

"Sie wollten doch wissen, woher ich Ihren Namen kenne."

"Ach ja, richtig. Und nun, da wir geklärt haben, wer und was ich bin: wer sind Sie?"

Die Stimme auf dem Off räusperte sich geräuschvoll.

"Mein Name ist James Dyson, Erfinder der Dyson Staubsauger, den einzigen beutellosen Staubsaugern ohne Saugkraftverlust. Mit der patentierte Cyclon Technologie..."

"Ja, ja, ich kenne den Text. Aber was machen Sie in meinem Staubsauger?"

"Die Firma Dyson steht nicht nur für Staubsauger ohne Saugkraftverlust, sie steht auch für meinen Namen! Deshalb wache ich über jedes meiner Produkte, um eingreifen zu können, sollte es doch ein Mal zu einem Saugkraftverlust kommen. Knock on wood!"

"Gut, dann können Sie mir vielleicht auch helfen. Ich befürchte nämlich, ich habe ein kleines..."

"Nein!", Herr Dyson wollte ihn stoppen, doch da war es schon zu spät.

"...Problem. Was denn?"


Und kaum hatte er die letzten Worte ausgesprochen, so schnell konnte er gar nicht reagieren, flog eine schattenhafte Gestalt auf ihn zu und schlug gegen unseren armen Alfred, der durch die Wucht des Aufpralls, mit dem Angreifer zu einer Kugel verklammert, ein paar Meter über den Hartplastikboden schlitterte.

Völlig verdutzt und ein bisschen durch den Aufschlag benebelt, starrte er in ein Gesicht, dass ihm erstaunlich bekannt vor kam; zwar waren die Augen beachtlich aus den Höhlen getreten, die Wangen eingefallen, aber tatsächlich, es war...

"Hallo ich bin Marcel D´Avis neuer Kundenbetreuer bei EinsundEins Sie haben ein Problem ich löse Ihr Problem denn ich bin Marcel D´Avis neuer Kundenbetreuer bei EinsundEins Sie haben ein Problem ich löse Ihr Problem denn ich bin Marcel D´Avis Kundenbetreuer bei EinsundEins Sie haben ein Problem ich löse Ihr Problem denn ich bin MARCEL D´AVIS!"

Spucketröpfchen flogen in Alfreds erschrockenes Gesicht.

Er wäre zwar nie auf die Idee gekommen, doch war er froh, als er Herrn Dysons gefasste, britische Stimme hörte:

"Nicht bewegen! Er verschwindet von alleine wieder, wenn Sie ruhig bleiben!"


Und tatsächlich, als würde er ihn nicht mehr sehen können, wenn er bewegungslos blieb, verlor Marcel D´Avis das Interesse, ließ von Alfred, den er bis dato fest an den Schultern gepackt hielt, ab und verschwand im buckligen, huschenden Gang unter leisem Murmeln ("Marcel D´Avis... Problem... D´Avis... EinsundEins... Problem..." wieder in der Dunkelheit des umliegenden Staubsaugerinnenraums.


"Was zur...?", Alfred erhob sich - natürlich nicht, ohne noch ein Mal wegzurutschen -, schüttelte sich die Gänsehaut ab und holte ein paar mal schnappartig Luft.

"Das war nur Marcel D´Avis."

"Ach was?!"

"Hey, nicht so schnippig, junger Freund! Ich wollte Sie ja warnen", James Dyson klang ein wenig eingeschnappt und da Alfred erkannte, dass er seine einzige Hilfe war, ruderte er zurück.

"Tut mir Leid. Aber was macht Marcel D´Avis in meinem Staubsauger?"

Der Guru der beutellosen Staubsauger seufzte traurig.

"Das ist eine wirklich tragische Geschichte. Als er zur Werbefigur von von EinsundEins wurde, war er auf der Spitze des Ruhms. Die Frauen verzehrten sich nach ihm, die Männer bewunderten ihn und für die Kinder war er ein großes Vorbild. Es gab kein Problem, was er nicht lösen konnte, keinen Fall, der zu kompliziert für ihn war – jedenfalls dachte er das.

Doch eine kleine Familie gab es, die hatte immer und immer wieder Probleme mit ihrer Internetverbindung. Er tauschte Alles aus, rätselte Tag und Nacht und endlich, nach wochenlanger Fehlersuche, fand er die Lösung. Er machte sich also auf, um der Familie die frohe Nachricht zu überbringen... doch es war zu spät.

Der 13 jährige Sohn der Familie war gerade beim Counter-Strike-spielen gewesen, als die Verbindung erneut abbrach; aus Wut darüber hatte er seinen Eltern mit einer Axt den Kopf abgeschlagen. Soooo tragisch.

Das hat sich Herr D´Avis nie verziehen, er konnte nur noch darüber nachdenken, wie er es hätte vermeiden können. Und als er merkte, wie der Wahnsinn an ihm zu knabbern begann, wusste er, dass er sich aus der Öffentlichkeit zurück ziehen musste.

Selbst ich weiß nicht, warum, aber als... wie nennt ihr das? Ah, right, Refugium! Aber als Refugium wählte er Ihren Staubsauger."


Was sollte man dazu sagen? Alfred jedenfalls fiel nichts ein.

Die beiden schwiegen sich also eine Weile betreten an und erst, als ihm die Füße zu schmerzen begannen, ergriff er die Initiative.

"Ja, wirklich tragisch. Aber sagen Sie mal, Herr Dyson: Gibt es einen Weg, hier wieder heraus zu kommen? Ich meine, es ist ja wirklich nett mit Ihnen aber ich würde gerne nach Hause."

"Natürlich. Aber ich befürchte, Sie müssen sich die Nase blutig schlagen."

"Wie bitte?"

Alfred wollte seinen Ohren nicht trauen.

"Sie sollen sich die Nase blutig schlagen!", wiederholte James Dyson, diesmal etwas langsamer.

"Aber... warum?"

"Vertrauen Sie mir oder nicht?", seine Stimme klang fordernd.

"Na ja, eigentlich...", er überlegte ernsthaft, "...ist nicht böse gemeint, aber..."

"Ich verstehe. Dann sehen Sie es so: Haben Sie eine andere Wahl, als mir zu vertrauen?"


Das war ein gutes Argument gewesen.

Alfred fühlte vorsichtig seine Nase ab, ballte seine Hand zur Faust und betrachtete diese einen langen Moment. Dann kniff er die Augen zusammen, seine Knöchel wurden vom ganzen Zurfaustballen schon weiß, holte Schwung, brach dann ab und wiederholte diesen Vorgang.

Schließlich seufzte er laut.

"Ich kann das einfach nicht!"

"For God´s sake! Warten Sie, ich werde gerne behilflich sein!"

Und hinter einer Kante, aus dem Schatten heraus, trat ein durchaus sympathisch aussehender, grauhaariger Mann, ein wissendes Lächeln auf dem Gesicht und, ja, wahrlich, einer Pappröhre in der Hand.

"Haben Sie etwa die ganze Zeit da gehockt?"

Falten der Verwunderung überzogen Alfreds Gesicht und plötzlich wurde ihm ein bisschen unwohl bei dem Gedanken, sein Schicksal in die Hände dieses Mannes zu legen.

"Indeed. Und für den Effekt habe ich durch diese Papierrolle gesprochen! Also, können wir anfangen? Ja? Gut! Eins..."

Er tat einen Schritt auf ihn zu.

"...Zwei..."

"Warten Sie, ich weiß nicht, vielleicht mache ich es doch lieber selber!"

Er hob den Arm und holte Schwung.

"...Drei!"


Und so stellte sich heraus, dass James Dyson nicht nur verdammt gut im Erfinden von Staubsaugern ohne Saugkraftverlust war, sondern auch ein versierter Faustkämpfer gewesen sein muss.

Obwohl sich Alfred noch wegzuducken versuchte, trafen seine Fingerknöchel zielsicher auf seine Nasenscheidewand, ein lautes Knacken ertönte und Alfred sackte unter schmerzverzerrtem Fluchen in die Knie, die Hände über dem blutenden Riechorgan gefaltet, als würde es jetzt noch etwas bringen.


"Sie Piep, sind Sie wahnsinnig? Piep nochmal! Hey, was zur Piep soll das?!"

"Sie können hier nicht fluchen. Das nennt sich Zensur."

"Wie kann denn...? Ach, auch egal. Und nun?"

"Nun warten wir."

"Ich will aber nicht mehr warten!"

Er sah sich um, doch von James Dyson fehlte jede Spur.

"Wo sind Sie hin?"

"Ach Sie... Ich war doch nie da."

Alfred warf die Stirn in Falten. So sicher, ob er wirklich wissen wollte, was jetzt schon wieder passierte, war er sich wirklich nicht, da ihn auch langsam die Vermutung beschlich, er könnte hier nichts mehr verstehen. Doch die Neugier siegte wieder ein Mal über seine Skepsis.

"Wie jetzt?"

"Well, Sie wussten, dass Sie sich schlagen mussten und um es über sich zu bringen, haben Sie mich halluziniert, damit es Ihnen leichter fällt – ich war es also nicht, der Sie geschlagen hat, das waren Sie ganz alleine!"

"So ungefähr wie in Fight Club?"

"So ungefähr wie in Fight Club!"

"Wow, echt?"

Die Vorstellung gefiel Alfred irgendwie, doch wie es so läuft, wenn man in seinem Staubsauger feststeckt; er erntete nur Hohn.

"Herrlich! Nein, eigentlich nicht. Ich dachte nur, Sie könnten zurück schlagen, da habe ich mich lieber wieder versteckt."

"Sie... nein, ich sage du! Jetzt, da wir uns so Nahe gekommen sind, dass du mir die Nase gebrochen hast, wird mir das ja wohl erlaubt sein! Also, duuhuuu! Ich weiß ja nicht, was für ein krankes Spiel du hier spielen willst, aber ich habe keine Lust mehr darauf! Ich bin hungrig, verwirrt, will nach Hause und bin blutverschmiert!"


"Das muss nicht sein!"

Nicht nur Alfreds Herz, sondern auch er selbst machte einen gewaltigen Satz, denn diese Stimme war nicht Herr Dysons, diese Stimme war weiblich und kam von einem weiblichen Wesen, das just mit einem lauten Plopp neben ihm erschienen war, ihn hohl angrinste und eine pinke Packung in der Hand hielt. Wer fähig ist, Alfreds Schicksal nachzuempfinden, dem wird wohl jetzt schon ein Lichtlein aufgegangen sein; so wie ihm selbst.

Mit einem Ausdruck, der pure Entrüstung transferierte, starrte er die Frau vor sich an, holte tief Luft und ließ seinem Ärger freien Lauf.

"Das... das ist jetzt nicht euer Ernst, oder? Du", er zeigte in die Richtung, in der er James Dyson vermutete, "brichst mir die Nase, damit ich mich dreckig mache, obwohl wir in einem Staubsauger sind..."

"Durch die patentierte Cyclon Technology..."

"Schnauze! Du brichst mir die Nase, damit ich mich dreckig mache, damit die da", diesmal zeigte er auf die Frau mit der pinken Packung, "erscheint? Ich meine... die Vanish-Frau?! Etwas Besseres ist dir nicht eingefallen?"


"Du kleines dummes Dummerchen!", säuselte die Vanish-Frau, trat an Alfred heran und kniff ihm fest in die linke Wange, "Weißt du denn nicht, dass unser Vanish Oxi Action Power Pulver mit seinem kraftvollen Aktiv-Sauerstoff nicht nur hartnäckige Flecken auf Textilien bekämpft, sondern dass unser Produkt in Verbindung mit simplem Wasser auch gleichzeitig dermaßen ätzend ist, dass es sich mit Leichtigkeit durch fast jedes Material brennen kann?"

In Alfreds Kopf ratterte es kurz, dann begriff er.

Überschwänglich fiel er der Dame um den Hals, hob sie an, drehte sie und setzte sie wieder ab.

"Sie sind meine Rettung, danke, danke, danke! Und James, es tut mir Leid, du weißt schon... es ist einfach mit mir durchgegangen."

"Keine Sorge, der Name Dyson steht nicht nur Staubsauger ohne Saugkraftverlust, er steht auch für Vergebung!"

"Ähm... ja, na klar! Worauf warten Sie, Lady? Fangen Sie an!"

"Natürlich!", die Vanish-Frau nickte eifrig, gebot Alfred, einen Schritt zurück zu treten und verteilte das weiße Pulver großzügig in einem Kreis. Beide starrten erwartungsvoll auf diese Stelle, erst eine, dann zwei, dann fünf Minuten, doch es tat sich nichts.

Und da Alfred mit einem messerscharfem Verstand gesegnet war, bemerkte er schließlich:

"Da passiert ja gar nichts!"

"Du bist nicht nur ein Dummerchen, du kannst auch nicht zuhören!", die Frau stieß die Hände in ihre Hüfte, "Ich sagte doch, dass wir Wasser brauchen!"


Gepeinigt von dieser Achterbahn der Gefühle sackte Alfred in sich zusammen, hielt sich die Hände vor sein Gesicht und begann bitterlich zu weinen, schüttelte sich unter heftigem Schluchzen, dann ließ er sich schließlich komplett fallen und hämmerte, wie ein kleines, bockiges Kind, mit den Händen auf den Boden.


Die Vanish-Frau beobachtete ihn einen Moment interessiert und setzte wieder ihr hohles Grinsen auf.

"Ah, perfekt!"

Alfred schaute sie, durch verquollene Augen, unverständig an.

"Was ist perfekt?"

"So begriffsstutzig, kleines Dummerchen? Wie wäre es denn, wenn du dein Geflenne über dem Pulver fortsetzen könntest? Körperflüssigkeiten enthalten schließlich auch Wasser."


So sollte es geschehen. Unser Held richtete sich auf, trat an den Kreis aus weißem Pulver heran, schabte sich mit dem rechten Zeigefinger eine Träne von den fleckigen Wangen, hielt dann wiederum den Finger über die Stelle und schüttelte die Träne vorsichtig ab.

In Zeitlupe, so kam es ihm vor, segelte diese herab und landete schließlich heroisch platschend genau in der Mitte des Pulverkreises.

Das Pulver begann sofort zu zischen, quoll auf und gab einen pinken Lichtschein von sich, dann ging das Zischen in Blubbern über. Man konnte es, vom Licht geblendet, zwar nicht sehen, aber deutlich riechen. Ein Geruch von schmelzendem Plastik erfüllte den Staubsaugerinnenraum und ließ Alfreds aufgeregt pochendes Herz aufgehen.

So standen sie da, der hibbelige Alfred und die selbstgefällig lächelnde Vanish-Frau, bis schließlich das Licht erlosch, das Blubbern aufhörte und der entstandene Qualm sich verflüchtigte.

Nun tat sich vor ihnen nur noch ein Loch auf, durch das man deutlich auf Alfreds Laminat schauen konnte.


Er machte einen Luftsprung, rutschte dabei aus und fiel erneut platt und wie ein nasser Sack rücklings auf den rutschigen Boden – doch das kümmerte ihn nun nicht mehr. Er verfiel in einen regelrechten Singsang.

"Ich bin frei, ich bin endlich frei! Danke Herr Dyson, danke Herr D´Avis, danke namenlose Vanish-Frau! Und nun, lebt wohl!"


Die Anwesenden – bis auf Herrn D´Avis, den konnten sie nicht mehr finden – verabschiedeten sich herzlich und nach einem letzten Winken, setzte sich Alfred auf die Kante des Loches und ließ sich elegant hinab in die Freiheit gleiten.



Doch leider bekommen wir an dieser Stelle der Geschichte ein Problem, denn was alle Beteiligten vernachlässigt hatten war, dass Alfred immer noch klitzeklitzeklein war.

Und natürlich, man könnte jetzt erzählen, wie Alfred auf seine Katze traf, die ihn jagte und wie er es gerade noch schaffte, in seinen Garten zu fliehen. Man könnte ausschmücken, wie er dort den Malboro-Mann kennen lernte, der ihm erzählte, er müsste es nur zu den Fruchtzwergen schaffen, weil diese ihn wieder größer machen könnten.

Man könnte davon berichten, wie er zwischen die Fronten des Krieges zwischen dem weißen Riesen und den Fleckenzwergen geraten war und wie er dem weißen Riesen half, deren Invasion abzuwenden. Wie jener ihm dann wiederum half, endlich zu den Fruchtzwergen zu gelangen, wo er endlich wieder Originalgröße erreicht hat. Und dann könnte man noch erläutern, was es wirklich mit Alfreds sonderbarer Geschichte auf sich hatte.


Wo das Problem dabei wäre?

Na ja, ein Mensch, auf die Größe einer Fliege geschrumpft, wäre niemals in der Lage, vor einer für ihn gigantisch wirkenden Katze zu fliehen. Nicht schnell genug.

Natürlich, auch darüber könnte man erzählen, ich jedenfalls fände es fantastisch; man stelle sich vor, das würde verfilmt. Man ginge also in diesen Film und auf der Spitze des Spannungsbogens, nach so ungefähr 30 Minuten, würde der Protagonist einfach so von seiner Katze aufgefressen und die Geschichte wäre zu Ende.

Fabelhaft!


Da aber Weihnachten ist und ein solches Ende doch ziemlich unfestlich wäre, endet hier die Geschichte von Alfred Krötenmaul, dem traurigen Knilch, der in seinem Staubsauger gefangen wurde.




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