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Von der Frau, die die Vogelbeeren aß

Manchmal, aber nur manchmal, kam es, dass sie hinaus durfte; hinaus in die Sonne oder in den Schnee, wie es eben gerade war. Dann durfte sie hinaus aus dem Neonlicht und weg von den weißen Wänden, die sie nicht mochte, denn man musste wissen, dass sie Nichts mehr liebte als Farben. Sie liebte das Blaue und das Grüne und das Gelbe und sogar das Braune; aber am meisten liebte, am schönsten fand sie das Rote.

Früher, ja früher, da hatte man es gepflegt sie zu begleiten, in der frühesten Zeit hatte man sie noch festgebunden an einem Stuhl und hatte sich nur getraut sie herumzuschieben; dann durfte sie nur gucken und nichts anfassen und erst später hatte man sie gehen lassen, denn gehen konnte sie, aber sie durfte nur gehen, wenn sie die zwei großen Männer in weißen Anzügen begleiteten, die sie nicht mochte.

Erst später, noch später, da durfte sie alleine hinaus, immer nur eine Stunde oder wenn sie sich gut verhielt auch zwei; dann streifte sie herum und lief durch den Park und sah alles viel bunter, als man es wohl sonst gesehen hätte. Am liebsten tat sie dies im Herbst, wenn die Bäume und der Boden sich leuchtend von der grauen Luft abzusetzen schienen. Dann kamen ihr manchmal ein wenig die Tränen und dann saß sie herum, bis man kam und sie zurück musste.

Warum das Ganze?

Manchmal, aber nur manchmal, da sah sie einen Strauch voller Vogelbeeren und dann konnte sie den leuchtend roten Früchten nicht widerstehen; sie legte sie dann erst auf ihre Zunge und spielte mit der Kugel, bis sie sie langsam gegen ihren Gaumen drückte. Sie genoss dann das leise "Plopp", das nur sie hören konnte und den sauren Geschmack und das Wissen, etwas rotes im Mund zu haben.

Und das tat sie nicht nur ein Mal, sie wurde gierig und irgendwann stopfte sie sich die Beeren dann händeweise in den Mund und lachte kreischend vor Vergnügen. Und dann konnte man sie nicht zurückbringenund musste sie jagen, bis sie irgendwann ohnmächtig wurde und dann brachte man sie zurück und pumpte ihr den Magen aus und dann durfte sie lange Zeit nicht mehr hinaus, meistens erst, wenn es wieder Schnee gab, wie es eben gerade war.

8.10.09 16:42


Humansmog / Die Inflation des Inhalts

Doppeltitel.

 

Um den Motor meiner Abneigung und somit den Anlass dieses Eintrags zu fassen, stelle man sich Folgendes vor:

Oberstufenraum am Gymnasium, eigentlich zum Lernen gedacht, oder für jene wie mich, mit zehn Freistunden in der Woche. Man stelle sich vor, man las [Böll, Ansichten eines Clowns, toller historischer Roman mit schwachem Ende (diese Tatsache frustriert mich noch immer)]. Der Geruch warmer Knoblauchwurst, fünf Laptops auf den Tischen mit fünf parallel laufenden, verschiedenen Folgen Scrubs und das Ignorieren der Erfindung des Kopfhörers. Vereinzelt Handy-Musik mit selbigem Zusatz.

Und überall plappernde Leute. Unablässlig plappernde Leute. Dumme, unablässlig plappernde Leute. Schule, Party, Alters und Boahs, Geld, Die und Der und da hört es auf.

Da jeder von ihnen sein eigenes Gequake für wichtiger und wertvoller hält, wird die Situation penetrant. Penetrant über Nichtssinniges reden, laut, bloß jedes Wort betonen. Penetrant lachen, penetrant gestikulieren, penetrant riechen, penetrant agieren.

Hauptsache möglichst individuell wirken, aber nur soweit, dass man sich noch in die Masse ducken kann. Bloß nicht weiter denken als eine Etappe lang sei.

Erstaunlich ist die Skrupellosigkeit mit der sie Leben. Ich meine nicht Grausamkeit oder Rücksichtslosigkeit, sondern die Akzeptanz und das Nicht-Hinterfragen ihres Handelns. "Just do it", sagen ja sogar ihre Turnschuhe. Hauptsache sie tun es für irgendwas und hauptsache sie tun irgendwas; denn egal was, es muss immer was gemacht werden, im häufigsten Fall reden, das geht schnell und einfach und, da es Alle immer tun, ist es nicht verfänglich. Sie reden über Alles was ihnen einfällt, sie haben verlernt (oder vielleicht haben sie es auch nie gelernt) zu selektieren.

Ich habe große Schwierigkeiten mit herzuleiten, woher dieses Verhalten kommt. Ablenkung vielleicht? Wenn mir kalt ist, rede ich mehr. Oder Langeweile? Oder ist es wirklich simple Stumpfsinnigkeit?

Manchmal halte ich es wirklich für klug, keine Waffe bei mir zu tragen.

 

16.10.09 12:00





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